Mario Comensoli

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x x Mitteilungsblatt     1/2001 x
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x Inhaltsverzeichnis
  • Ausstellung im Austausch >
  • Zwei Vernissagen >
  • Immer vor der Zeit >
  • Comédie humaine  >
  • Wechsel >
  • Förderer und Freund >
  • Le 1er Mai s'affiche >
  • Plakative Politik >
  • Kino im Internet >
  • Nächste Auktion >
  • Bologna und Udine >

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Ausstellung im Austausch

Endlich

Fast unglaublich - und dennoch wahr: zum ersten Mal ist es möglich geworden, Mario Comensoli in Bern auszustellen. Dies verdanken wir Peter Killer, Mitglied unseres Stiftungsrates, und der Hans-Obrecht-Stiftung.

Es handelt sich um ein kultu-relles Austauschprogramm. Nachdem wir in unserer Zürcher Galerie "Wahlverwandschaften IV: Mario Comensoli und Hans Obrecht" zeigten, findet nun das Gegenstück statt.

Kunstkeller

Die Ausstellung "Hans Obrecht und Mario Comensoli" ist zu sehen im "Kunstkeller" von Dorothe Freiburghaus an der Gerechtigkeitsgasse 40, also im attraktivsten Teil der Berner Altstadt. Zur Vernissage dürfen wir einladen auf Samstag, 2. Juni, 17 bis 19 Uhr. Es sprechen Bernhard Fischer, Richard Brosi und Peter Killer.

Die Ausstellung dauert bis 30.Juni. Die Galerie ist geöffnet Mittwoch bis Freitag 15 bis 18.30 Uhr, Donnerstag bis 20 Uhr, Samstag 14 bis 17 Uhr. Sonntagsapéro am 24. Juni, 11 Uhr.

Wie Obrecht in Zürich eine Entdeckung war, so wird auch Comensoli für die Bernerinnen und Berner ein lohnender Unbekannter sein.

 

Stadtlandschaften

Hans Obrecht, 1908 in Wangen a. A. geboren, nahm nach der Handelsschule in Lausanne privaten Malunterricht bei Ernst Georg Rüegg. Neben seiner künstlerischen Tätigkeit führte er während Jahrzehnten ein Hotel in Amsterdam.

Figurenzeichnungen, Landschaften und Stadtlandschaften prägen das Werk. Ausstellungen in Holland und der Schweiz.

Er kehrte 1989 in die Schweiz zurück und starb 1991 in Pieterlen. Heute betreut die Hans-Obrecht-Stiftung den Nachlass.


Zwei Vernissagen

  • Illusioni

Donnerstag, 10. Mai, 18 Uhr, Comensoli-Galerie, Pfalzgasse 2/4, Zürich.

  • Hans Obrecht und Mario Comensoli

Samstag, 2. Juni, 17 Uhr, Kunstkeller, Gerechtigkeitsgasse 40, Bern. 


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Immer der Zeit voraus

Aus dem Besitz der Stiftung hat Mario Barino Werke ausgewählt, die das besondere Interesse der Sammler und Käufer wecken.

Mario Comensoli hat als singulärer Maler den figurativen Trend vorweg genommen und besitzt eine geradezu seherische Aktualität. Diese Stärke ist fszinierend. Als engagierter Aussenseiter spricht Comensoli vor allem Aussenseiter, Eigenständige, Individualisten an. Er bleibt unbestreitbar packend und aufwühlend modern.

Vernissage für "Illusioni" ist am Donnerstag, 10. Mai, 18 Uhr. Die Ausstellung dauert bis 14. Juli. Öffnungszeiten: Mittwoch bis Freitag 14 bis 18 Uhr, Samstag 10 bis 16 Uhr.

 


Comédie Humaine

Aus Anlass der Ausstellung "Hans Obrecht - Mario Comensoli" im Berner Kunstkeller hat Peter Killer, Konservator des Kunstmuseums Olten und profunder Kenner beider Künstler, den folgenden - von der Redaktion mit Titel und Zwischentiteln versehenen - Text verfasst.

Bedeutende Realisten

Der Basler Museumsmann, Kunsthistoriker und Kunstschriftsteller Georg Schmidt hat den Begriff "Realismus" klar gegen den minderwertigen "Naturalismus" abgegrenzt. Der Realismus versuche, die konfliktintensive Wirklichkeit zu durchleuchten, das Wesen des Wahrnehmbaren zu verdeutlichen. Nach dieser Definition sind Hans Obrecht und Mario Comensoli Realisten. Ja, sie gehören zu den bedeutendsten Realisten der Schweizer Kunst.

Mario Comensoli (Lugano 1922 - 1993 Zürich) hat Hans Obrecht (Wangen a.d.A. 1908 - 1991 Pieterlen) nicht gekannt, Hans Obrecht hat Mario Comensoli nicht gekannt. Das kann nicht überraschen. Weniger wegen der räumlichen Trennung zwischen Amsterdam und Zürich, als viel mehr wegen beider Zurückhaltung und der Scheu, sich in Künstlerzirkeln zu bewegen. Die Kunstwar ihnen Leben, aber das sogenannte Kunstleben keineswegs.

Weiser Bajazzo

Clown wollte Hans Obrecht als Bub werden. - Kunstmaler, Bibliothekar, Hotelier ist Hans Obrecht geworden - und Clown. Clown - nicht einfach Spassmacher. Es steckte etwas von der Extravertiertheit des Dummen Augusts in ihm, viel mehr aber die Melancholie und der Hintersinn des weissen Clowns, des weisen Bajazzos.

Velo und Pelzmantel

Mario Comensoli hat schon im Kindesalter die Härte des Lebens kennengelernt. Im Laufe seines Künstlerlebens hat er Karriere gemacht. Auf dem Velo - auf seine grossen, ungewöhnlichen Körpermasse abgestimmt - war er unterwegs, tagtäglich. Wenn's kalt war, im Pelzmantel.

Verbindendes

Zwei sehr verschiedene Künstler kommen nun im Kunstkeller Bern zusammen, weil es neben dem Trennenden eben auch sehr viel Verbindendes gibt. Beide waren Realisten aus tiefster Überzeugung. Hans Obrecht hat in Amsterdam die Alltagseindrücke gespeichert und nachts in seinem improvisierten Atelier aufs Papier gebracht. Mario Comensoli ist ähnlich zurückhaltend beim Konzipieren seiner Bilder ans Werk gegangen. Sehr selten hat er mit Modellen gearbeitet. Fernsehbilder oder beispielsweise die flüchtig skizzierten jungen Leute in der Zürcher Letten-Bade-anstalt, an der Limmat, ein paar Minuten von seinem Atelier entfernt, waren ihm Anregung genug.

Hans Obrecht und Mario Comensoli haben die Balzac'sche "Comédie humaine" im Bild weiterentwickelt.

Radikale Ehrlichkeit

Aus der menschlichen Komödie ist bei den beiden Malern keine Tragödie, aber ein menschliches Drama geworden. Ein Drama, in dem alles Vitale zentrale Wichtigkeit hat und nie verschleiern kann, dass in allem Gegenwärtigen das Vergängliche steckt. Bedeutende Künstler sind ehrliche Menschen. Und zur Ehrlichkeit gehört die Beschäftigung mit dem Tod.

Peter Killer


Wechsel

Drei Mitgliedern des Comensoli-Stiftungsrates haben berufliche Wechsel vorgenommen oder geplant.

Guido Magnaguagno, früher Vizedirektor des Kunsthauses Zürich, ist seit Anfang des Jahres Direktor des Tinguely-Museums in Basel.

René Bortolani hat nach der Chefredaktion der "Schweizer Familie" im Frühjahr die Leitung des Medienforums Tamedia übernommen.

Peter Killer verlässt im Herbst das Kunstmuseum Olten.


Förderer und Freund

Richard Brosi feiert - und wir feiern mit ihm

Der Präsident der Comensoli-Stiftung, Richard Brosi, dipl. Architekt ETH/BSA, Chur, ist am 8. Mai 70 Jahre alt geworden. Glückwunsch und Dank von Herzen!

Prägende Begegnung

Über den Architekten Otto Glaus, bei dem er ein Praktikum absolvierte, lernte Richard Brosi 1951 den Maler Mario Comensoli kennen und schätzen. Die Begegnung war prägend. Aus ihr entstand eine lebenslange und tiefe Freundschaft.

Früher Sammler

Richard Brosi gehörte zu den ersten Sammlern Mario Comensolis, sorgte 1972 für eine Ausstellung im Bündner Kunstmuseum und gewährte ihm 1981, 1992 und 1999 Gastrecht in der Galerie Studio 10, die Lilian Brosi mit Liebe und Engagement leitet. Er zog ihn immer wieder bei, wenn es um Kunst am Bau ging: u.a. für die katholische Kirche in Meilen, die "Winterthur"-Versicherung in St. Gallen und die Kapelle Schwendi im Weisstannental, der Fresko unbegreiflicherweise und völlig sinnlos zerstört wurde.

Lebensfilm

Richard Brosi sagt, Mario Comensoli habe auf ihn persönlich, aber auch auf seine Familie eingewirkt. Das gelte bis heute. "Täglich sind wir mit seinen Bildern konfrontiert. Jedes Bild, jede Zeichnung, jede Skizze besitzt ihre Geschichte." Er erlebt die Erinnerung wie einen Film, der die Geschichte der Freundschaft stets neu erzählt.

Intensive Gespräche

Über Jahre hinweg gehörten die Atelierbesuche zum festen Bestandteil der beruflichen Reisen nach Zürich. Sie endeten meist mit einem Glas Wein und einem einfachen Mahl im "Tre Fratelli" oder in der "Oberen Waid". Die sonntäglichen Telefongespräche umfassten das ganze Lebensspektrum von alltäglichen Sorgen bis hin zu existenziellen Fragen.

"Dabei", schrieb Richard Brosi im Buch "Mario Comensoli: Eine neue Sicht - Testimonianze", "wurde ich immer wieder überrascht von der Disziplin und Hartnäckigkeit, mit denen Comensoli seinen Weg in der Kunst verfolgte und die Malerie zu seinem Leben machte."

Selbstverständlicher Freundschaftsdienst

Und zum wichtigen Teil des eigenen Lebens wurde der Künstler und dessen Werk. Das Präsidium der Comensoli-Stiftung versteht Richard Brosi als Freundschaftsdienst. Er fasst es als Ehre und Verpflichtung auf, durch die von Hélène Comensoli errichtete Stiftung das Ansehen des Künstlers wach zu halten und dessen Anerkennung zu fördern.

Engagement

Wann immer es die Stiftungsgeschäfte erfordern, eilt Richard Brosi von Chur nach Zürich. An keiner Vernissage in der Galerie an der Pfalzgasse hat er gefehlt.

Riesig war seine Freude, 1998 zur Eröffnung der Retrospektive in der Villa Malpensata und der Zeichnungsausstellung in der Galleria L'Incontro nach Lugano zu reisen. Mit allen Kräften setzt er sich dafür ein, weitere Ausstellungsorte zu finden, um Mario Comensoli einem breiten und neuen Publikum nahe zu bringen. Die Pläne für Italien und die USA drängen nach der Erfüllung.

Umsicht und Sorgfalt mit Vertrauen

Die vom Stiftungsrat zu fällenden Entscheide misst Richard Brosi an den Erwartungen Mario Comensolis. Auf die Umsicht und die Sorgfalt kommt es an. Es genügt nicht, in einer Sitzung einfach Traktanden abzuhaken. Die Probleme und möglichen Lösungen wollen umfassend erörtert sein.

Für Richard Brosi zählt das vertiete, unvoreingenommene Gespräch. Es zielt auf den erarbeiteten Konsens. Die Sitzungen - besser: die Begegnungen - des Stiftungsrates sind angenehm und fruchtbar. Ein Förderer und Freund schenkt Vertrauen und hat sich dieses selber in hohem Masse verdient.


Le 1er Mai s'affiche

Unter diesem Titel zeigte das Musée des Arts in Moutier vom 27. April bis 6. Mai dreis-sig politische Plakate aus den Jahren 1910 bis 2001. Unter den Künstlerinnen und Künstlern aus der Schweiz, Deutschland, Frankreich, Polen, Tschechien und Ungarn war auch Mario Comensoli vertreten. Er bereicherte den Überblick mit dem Plakat "Landesweiter Frauenstreik - Grèves des femmes" aus dem Jahr 1991.

An Namen stachen heraus Herbert Bayer, Alois Carigiet, Hans Falk, Oskar Kokoschka, Celestino Piatti, Picasso und Théophile-Alexandre Steinlen. Eine kleine Dokumentation ergänzte die kleine, sehenswerte Ausstellung.


Plakative Politik

Mario Comensolis Plakat "Landesweiter Frauenstreik - Grèves des femmes" hat auch Aufnahme gefunden im Buch "Weltformat - Basler Zeitgeschichte im Plakat".

Diese Publikation, die sich vorwiegend dem politischen Plakat widmet, wird von der Basler Plakatsammlung zusammen mit dem Christoph Merian Verlag vorbereitet und soll in diesem Jahr erscheinen. Die einzelnen zeitgeschichtlich aufschlussreichen Werke werden abgebildet und kommentiert und sind begleitet von einem wissenschaftlich fundierten Text. Das wertvolle Wirken der Plakatsammlung der Schule für Gestaltung Basel erhält somit eine interessante Fortsetzung. Die Sammeltätigkeit begann 1896 und hat heute einen Bestand von 40.000 Plakaten erreicht, darunter echte Raritäten. Aber unabhängig von der gestalterischen Qualität: Plakate sind für die Zeit- und Kulturgeschichte eine besonders aussagekräftige und vielfältige Quelle.


Kino im Internet

Der von Mario Barino für die Televisione della Svizzera Italiana realisierte Dokumentarfilm über Mario Comensoli ist nunmehr auch auf der Homepage zu sehen: Video Biografie

Unser stets aktualisierter Internetauftritt informiert über künftige und vergangene Ausstellung, weist auf unsere Publikationen hin, enthält zu Mario Comensoli die Lebens- und Werkdaten sowie ein Archiv der Mitteilungsblätter.


Bologna und Udine

Kunstkreise in Bologna und Povoletto bei Udine bekunden ein starkes Interesse an Comensoli-Ausstellungen. Unsere ersten Einschätzungen lauten grundsätzlich positiv. Es wäre ja in der Tat erfreulich, ergäbe sich für Comensoli nach Rom 1962 erneut eine Präsenz in Italien. Allerdings müssen sich die Kosten in einem vernünftigen Rahmen bewegen. Und das Wichtigste: es müssen auch die Medien gewonnen werden, damit die Ausstellungen ein breites Echo auslösen. Wir führen die Kontakte weiter und hoffen auf einen guten Abschluss.


Nächste Auktionen

An der bei Koller in Zürich am 31. Mai stattfindenden Auktion beteiligen wir uns mit zwei Werken Mario Comensolis: "Alternativ IV", Mischtechnik auf Leinwand, 150 x 150 cm, 1984, und "Repos", Mischtechnik auf Leinwand, 120 x 100 cm, 1987. Der Katalog ist erschienen. Versteigert werden Impressionisten, Bilder des 20. Jahrhhunderts und Schweizer Künstler.

Für die Auktion von Sotheby's vom 11. Juli in Zürich haben wir ein Bild aus dem Zyklus "Epoca blu" ausgewählt.


Herausgegeben von der Comensoli-Stiftung
8001 Zürich, Pfalzgasse 2/4, Telefon und Telefax 01 221 02 30
Redaktion Alex Bänninger
Druck Reprozentrale ETH_Hönggerberg 8093 Zürich
Abdruck mit Quellenangabe und der Bitte um ein Belegexemplar gestattet

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