Mario Comensoli

x   Lugano: Canvetto Luganese. Ricordando Comensoli x

 

x Herbst 2004 in Lugano: Molino Nuovo hält die Erinnerung an Mario Comensoli wach.

In Luganos Kulturleben setzte im Herbst 2004 das Werk und die Person Mario Comensolis wichtige Akzente. Im Quartier Molino Nuovo, wo Comensoli am 15. April 1922 geboren wurde und wo er aufgewachsen ist, fanden zwei Ausstellungen und eine Reihe von Vorträgen statt. Ausserdem wurde an der Aussenmauer des Geburtshauses eine Gedenktafel angebracht.


Ausstellungen im Canvetto Luganese und in der Galleria L’ Incontro.

In ihrer Gegensätzlichkeit haben sich die beiden am 16. bzw. am 17. September eröffneten Ausstellungen, die bis Ende Oktober dauerten, schön ergänzt. In der Galleria L’Incontro waren Zeichnungen aus der Zeit zwischen 1945 und 1968 zu sehen, die den Weg vom postkubistischen Schaffen im Nachkriegs-Paris über die Skizzen für die religiösen Fresken zu den realistischen Figuren der blauen Epoche anschaulich machten. — In räumlicher Nachbarschaft, in den Lokalitäten des Canvetto Luganese, waren sämtliche Gemälde aus dem Besitz des «Cooperativo» Zürich zu Gast, darunter Hauptwerke wie «Sonntag» oder «Lesender Arbeiter».

In der Besprechung der Ausstellung in der Galleria L’Incontro schrieb Dalmazio Ambrosoni, dass Comensoli “…trova modo di agganciarsi alla lezione pre-rinascimentale, Paolo Uccello e Giotto, con quel suo tratteggiare insistito, quella ricerca delle forme che sia ad un tempo ricerca dei significati”. Mario Agliati wiederum bemerkte, nachdem er die grossartigen Resultate der Periode “lavoratori in blu“ gewürdigt hatte: “essa ci mostra l’ officina di quella produzione, sottesa da studi e disegni di soggetto operaistico a penna e a carboncino: potenza di segno, robustezza di concezione, e soprattutto slancio ideale, intima partecipazione…” — Erfreulicherweise gab die Rivista di Lugano eine allen Haushaltungen zugestellte Sondernummer über Mario Comensoli heraus.


Die Gedenktafel

Im Rahmen einer kleinen Feier wurde am 17. September 2004 am Haus an der Ecke Via Ferri und via Trevano enthüllte der Stadtpräsident und Architekt Giorgio Giudici eine von der Mario und Hélène Comensoli-Stiftung gestiftete Gedenktafel. In die Travertin-Platte ist folgender Text eingraviert: «In questa casa, allevato da due umili sorelle romagnole, passo’ la sua prima giovinezza il pittore Mario Comensoli (1922-1993). Trasferitosi a Zurigo divenne il cantore dell' emigrazione, dei giovani e degli emarginati.»

Anschliessend folgte die Eröffnung der Ausstellung im Canvetto, an der neben vielen andern Kunstfreundinnen und Kunstfreunden auch der Stadtpräsident Giudici, die Vorsteherin der Kulturabteilung der Stadt Lugano, Giovanna Masoni, der Direktor des Museo d’ Arte Moderna, Rudy Chiappini , der Senator Felice Besostri, Präsident der Comensoli-Kommission des Cooperativo, Richard Brosi, der Präsident der Comensoli-Stiftung sowie der Direktor der Fondazione Diamante, Mario Ferrari (von dem die Initiative ausgegangen war, die Cooperativo-Bilder von Zürich nach Lugano zu bringen) anwesend waren.


Mario Comensoli gewidmete Sonderveranstaltungen im Canvetto

Professor Pietro Bellasi, Dozent für Soziologie der Universität Bologna und Walter Schönenberger, ehemaliger Direktor der Kantonalen Museen des Tessins vermittelten am 30. September neue Zugänge zu Comensoli. Schönenberger ist es übrigens zu verdanken, dass vor drei Jahren in Udine Mario Comensoli als «der grösste Schweizer Maler» der Nachkriegszeit vorgestellt worden ist. Bellasi wiederum engagierte sich mit Leidenschaft für die grosse Retrospektive in Mailand bei Mazzotta (2002) und die Folgeausstellung in Bologna (2003).

Am zweiten Comensoli-Abend am 14. Oktober, wurde Mürra Zabels Film «Comensoli, pittore della Comédie Humaine» vor einem grossen Publikum gezeigt. Die Autorin erzählte, dass die Auseinandersetzung mit dem Schaffen Comensolis sie auch in zwischenmenschlicher Beziehung bereichert habe, dass sie zahlreiche faszinierende Persönlichkeiten habe kennen lernen dürfen, denen gemeinsam sei, dass alle Comensolis Kunst hoch schätzen. Zu Wort kamen auch Ludy Kessler, Dario Robbianim, Medienexperte, und Mario Barino. Ludy Kessler ist der Schöpfer des ersten, vor 42 Jahren in Zürich realisierten Dokumentarfilmes über Mario Comensoli. Dario Robbiano, Medienexperte, sprach als langjähriger Freund Comensolis. Von Mario Barino stammt der Film «Pittura come omaggio alla vita».

Der dritte Abend, am 28. Oktober, stand im Zeichen der sozialen Aspekte, die die Kunst Comensolis mit den Anliegen und Erfahrungen von Canvetto und der Coopertivo verbinden. “Credo davvero che Comensoli, la sua figura, fungano per noi da guida , nel senso che egli ha sempre interrogato e interpretato la realtà sociale . E’ stato il poeta dei vinti“, sagte Mario Ferrari , der Präsident der Fondazione Diamante, die sich für Behinderte und Randständige einsetzt. Andrea Ermano, Präsident des Cooperativo Zürich stellte fest, dass sich heute andere Probleme und Benachteiligungen zeigen würden als Comensoli sie vor vierzig Jahren gemalt habe, dass der Schmerz des individuellen Leiden aber derselbe sei wie damals.
 
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